Übersetzen und Recht

Jeder, der sich schon wenigstens einmal in seinem Leben in einer solchen Lage vorfand, wo er mit juristischen Texten zu tun hatte, der weiß, wie Mühe, Stress, lange Prozeduren und ewiges Warten aussehen. Denn jeder, der mit amtlichen Anstalten zu tun hat, hat bestimmt auch mit juristischen Texten – in einer oder anderer Form – etwas zu tun. Und das sagt man nicht umsonst, da diese Textsorte nicht nur uns, den „normalen“ Menschen, viele Schwierigkeiten und unnötigen Stress verursacht, sondern auch denjenigen, die sich mit ihnen auch professionell bzw. beruflich beschäftigen – den Übersetzern.
Was eigentlich aber stellt man sich unter der Bezeichnung „juristisch“ bzw. „juristische Texte“ vor? Und warum müssen bzw. soll(t)en sich die Übersetzer damit viel Mühe geben? Juristische Übersetzung ist die Übersetzung von Texten im Bereich des Rechts, schön diese Tatsache allein aber deutet darauf, dass es hier um keine „gewöhnliche“ Textsorte geht, mit der man sich alltäglich treffen würde. Obwohl solche Übersetzungen bei allen Arten juristischer Texte möglich sind, hat man dabei insbesondere unterschiedliche Verträge bzw. Gesetze im Sinn, außerdem aber kommen juristische Übersetzungen auch für die Kommunikation zwischen Behörden, Gerichten u. A. infrage. Da juristische Ausdrücke bzw. die sog. juristische Fachsprache jedenfalls sehr präzise ist, erlangt so eine anspruchsvolle Textsorte von einem Übersetzen sowohl ausgezeichnete Sprachkenntnisse als auch Kenntnisse der Rechtssysteme, was man aber nur durch eine angemessene Ausbildung erwerben kann.
Warum benötigt man in diesem Falle neben dem Übersetzerstudium (meistens) noch sehr gute Jurakenntnisse oder sogar eine zusätzliche Ausbildung aus Rechtswissenschaft? Da die Fehler, die beim Übersetzen solcher juristischen Texte entstehen (können), zu Schäden oder Klageerhebungen führen können; deswegen ist es sehr wichtig, als Übersetzen über entsprechende Ausbildung bzw. Schulung und, noch wichtiger, über Erfahrungen in diesem Gebiet zu verfügen. In einigen Staaten der Europäischen Union aber braucht man für die Ausführung einer solchen Arbeit noch eine staatliche Zulassung.
Die Besonderheit juristischer Übersetzungen im Vergleich zu anderen Fachübersetzungen besteht darin, dass Übersetzen hier den geringsten Freiraum bei der Wiedergabe des Textes hat, was heißt, dass er dem Originaltext vollkommen treu sein muss; juristische Übersetzungen haben nämlich alle einen eher präskriptiven Charakter, was man beim Übersetzen schließlich beachten soll. Außerdem soll Übersetzer sein Augenmerk auf spezifische rechtswissenschaftliche Terminologie, verschiedene Formulierungen sowie Strukturen, die von jeweiligem Rechtssystem abhängig sind, richten. Nicht befinden sich juristische Übersetzungen im Mittelpunkt der multilingualen Kommunikation und ermöglichen entweder Einzelpersonen oder Unternehmen bzw. Behörden miteinander ohne Kultur- und Sprachbarrieren zu kommunizieren. Und das ist schließlich auch die Rolle eines Gerichtsübersetzers.

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